Radentscheid München – Etappensieg im Kunstareal

München, den 18. September 2019

Am Dienstag, den 17. September 2019, sollten im Bauausschusses der Stadt München knapp 10 Millionen Euro teure und planerisch völlig veraltete Umbaumaßnahmen für das Kunstareal beauftragt werden. Hierbei wären keine wesentlichen Verbesserungen für den Radverkehr erreicht worden. Als Radentscheid haben wir uns entschieden gegen diese Beschlussvorlage gewendet und waren damit erfolgreich. Der Ausschuss folgte einem Änderungsantrag der SPD Stadtratsfraktion, der die Verwaltung auffordert, zu prüfen, wie das Verkehrskonzept geändert werden muss, um den Vorgaben des Radentscheids zu entsprechen.

Unser Vorschlag für die Umgestaltung des Kunstareals:

Theresienstraße, Gabelsbergerstraße und Türkenstraße erhalten Radwege in beiden Richtungen, wie durch den Stadtrat mit der Übernahme des Radentscheids beschlossen. Die Einbahnregelung wird auf voller Länge beibehalten, es verbleibt jeweils eine Fahrspur für den Kraftverkehr. Wo nötig und möglich werden die Fußwege verbreitert. Kfz-Parkplätze entfallen im dafür notwendigen Umfang. Die restlichen Parkplätze werden in Parkbuchten gefasst, die von „Grüninseln“ mit Bäumen und Radabstellplätzen unterbrochen werden. Sofern nötig und dann noch möglich können im Kreuzungsbereich zusätzliche Abbiegespuren anstatt Parkplätzen eingerichtet werden.

Medieninformation

München, 16. September 2019

Mit der Baufreigabe der „modifizierten Alternative 5“ in der morgigen Sitzung des Bauausschusses (17.9.) sollen für das Kunstareal knapp 10 Mio. Euro teure und planerisch völlig veraltete Umbaumaßnahmen beschlossen und zur Umsetzung beauftragt werden, ohne dass wesentliche Verbesserungen für den Radverkehr erreicht werden. Für eine Umsetzung des Radentscheids müsste ein Großteil der geplanten Maßnahmen zurückgenommen werden.

Unsere Kritik an den Plänen:

  • Es soll weiterhin keine Radwege in der Theresienstraße geben, sehr wohl aber teilweise 3 Fahrspuren oder zusätzliche Parkspuren. Im Abschnitt zwischen Schleißheimer Straße und Luisenstraße sind keine Maßnahmen geplant, wodurch der Rennstrecken-Charakter der Theresienstraße erhalten bliebt, obwohl gerade dort mit der TU München besonders viele Studierende mit dem Rad unterwegs sind.
  • Entgegen der Darstellung in der aktuellen Beschlussvorlage sind weiterhin keine durchgängigen Radwege in der Türkenstraße vorgesehen, sondern nur ein „Stummel“ von ca. 30m in nördliche Richtung, der unvermittelt aufhört. In südlicher Richtung sind keine Radwege geplant. Stattdessen gibt es beidseitig Parkspuren.
  • Die geplanten Schutzstreifen bzw. Radfahrstreifen in der Gabelsbergerstr. in östliche Richtung sind teilweise stark verschwenkt, erheblich zu schmal (1,50 – 1,85m) und zudem neben engen 3m-Fahrspuren geplant. Es wäre kein ausreichender Sicherheitsabstand zu vorbeifahrenden Pkw und insbesondere Lkw vorhanden, insbesondere an den Verschwenkungen würde es eng werden. Platz wäre jedoch genug vorhanden, wenn auf die total absurde kurzzeitige Zweispurigkeit (für gerade mal 100-200m) an den Kreuzungen mit der Arcisstr. bzw. Barerstr.  verzichtet würde.
  • In der Gabelsbergerstraße ist in westlicher Richtung an der Arcisstr. ein absurd schmaler Schutzstreifen von 1,25m zwischen(!) den beiden schmalen Abbiegespuren geplant.
  • Halbwegs erfreulich ist immerhin der geplante neue Radfahrstreifen in der Gabelsbergerstr. von der Türkenstraße bis zur Arcisstraße, der jedoch mit einer geplanten Breite von 1,85-2,00m, und ohne Sicherheitsabstände und ohne baulichen Schutz ebenfalls nicht den Vorgaben des Radentscheids entspricht. Da der Umbau der Kreuzung Gabelsbergerstr./Türkenstraße/Altstadtring-Tunnel erst in ferner Zukunft geplant ist, dürfte zunächst kaum jemand davon profitieren.

Die detaillierten Planungsunterlagen sind hier zu finden:
https://www.ris-muenchen.de/RII/RII/ris_vorlagen_dokumente.jsp?risid=5625985

Impressionen

Fotos: Tobias Hase

Die Kompromissvorschläge der Stadtverwaltung zur Verkehrssituation des Kunstareals haben sich überholt. Sie widersprechen dem Beschluss des Radentscheids und der Vision das Kunstareal zu einem leicht zugänglichen, lebendigen und erlebbaren Ort zu machen. Wir brauchen eine neue Planung mit besseren bzw. neuen Radwegen, besserer Zugänglichkeit und mehr Grün.“

Sonja HaiderSprecherin (ÖDP)

Sicherlich können und sollen nun nicht sämtliche Projekte komplett verworfen und neu geplant werden, wenn sie nicht exakt dem Wortlaut des Radentscheids entsprechensofern sie eine Verbesserung für den Radverkehr darstellen. Diese Pläne waren jedoch auch schon ohne den Radentscheid mangelhaft. Die extrem lange Planungszeit beruht i.w. auf der politischen Uneinigkeit und der langjährigen Weigerung Fahrspuren und Parkplätze im erforderlichen Umfang zu reduzieren. Daher kann man sich jetzt nicht auf den langjährigen Diskurs berufen.

Andreas GrohSprecher (ADFC)

Die Pläne der Verwaltung müssen sofort gestoppt werden. Die Beschlussvorlage widerspricht den vom Stadtrat beschlossenen Radentscheid in wesentlichen Punkten. Die Stadt darf keine Fakten schaffen und die unbefriedigende Radinfrastruktur im Kunstareal zementieren. Diese Pläne machen die Situation nicht nachhaltig besser, sondern nur anders schlecht.

Gudrun LuxSprecherin (Grüne)

Wir fordern den Münchner Stadtrat auf, die aktuellen Pläne abzulehnen und stattdessen eine Umplanung wie von uns skizziert zu beschließen, die dem Beschluss des Radentscheids entspricht. Alles andere wäre Unglaubwürdig.

Andreas SchusterSprecher (Green City e.V.)

Pressekontakt

presse@radentscheid-muenchen.de

Erzähl es weiter

Hilf mit, das Bürgerbegehren bekannter zu machen und folge und teile uns.